Offizielle Sprachregelung in Bezug auf die Britischen Inseln
Anfrage eines Rundfunkbetreibers bzgl. einer offiziellen Sprachregelung im Deutschen in Bezug auf die Britische Inseln. Der Rundfunkbetreiber bekommt beim ARD-Wetter immer häufiger Zuschriften von Zuschauern, die darauf hinweisen, dass in Irland dieser Begriff politisch nicht gerne gehört wird.
Der Ausdruck „Britische Inseln“ als Oberbegriff für eine Anzahl nahe beieinander liegender Inseln im Nordatlantik ist für geographische Sachverhalte, mithin also für das Wetter, in vielen Sprachen und so auch im Deutschen seit langem gebräuchlich. Er kann in diesem Zusammenhang weiter genutzt werden. Der Vorteil ist, dass er als solcher in vielen Atlanten und Karten verzeichnet ist und den Vorzug der allgemeinen Bekanntheit hat. Allenfalls kann man die Angaben variieren, indem man die Inseln (Irland, Großbritannien) einzeln benennt und vielleicht noch die Irische See (!) mit hinzunimmt.
Rechtlich sind die Abgrenzung und Benennung nicht geregelt. Es gibt in diesem Sinne also weder im Englischen noch im Deutschen eine rechtlich „korrekte“ Form, wie z.B. für Staatennamen. Der Name hat sich aber im Sprachgebrauch eingebürgert und sichert so die Kommunikation in einem deutschsprachigen Umfeld, die für eine Wettervorhersage ja im Vordergrund steht. Man wird nie Formulierungen finden, die es allen recht machen. Allerdings ist es wichtig, hier aufmerksam zu bleiben und eventuell in den Benennungen auch einmal zu variieren.
Der Name selber ist sehr alt. Frühe kartographische Belege tauchen in Sebastian Münsters Cosmographia (1544) und auch in Abraham Ortelius‘ Thesaurus Geographicus (1587) auf. Bis in die Gegenwart hinein ist er vor allem im Vereinigten Königreich auch in Buchtiteln und in der Presse gebräuchlich. Allerdings hat z.B. die Botanical Society of the British Isles 2013 ihren Namen in Botanical Society of Britain and Ireland geändert. In der deutschsprachigen Welt tauchen Buchtitel mit den Britischen Inseln kontinuierlich über die ganze Zeit hinweg auf. Hier ist auch bisher keine Abnahme zu erkennen. Anders ist hingegen die Situation in Irland. Hier ist in der Tat dieser geographische Sammelbegriff verpönt, weil man die Sorge hat, dass hiermit auch eine politisch-territoriale Verbindung gemeint sein könnte, die man wegen der traumatischen kolonialen Erfahrungen bis heute strikt ablehnt. Dies kommt auch in einer Antwort des irischen Außenministeriums auf eine Anfrage im irischen Parlament vom 28. September 2005 zum Ausdruck:
The British Isles is not an officially recognised term in any legal or intergovernmental sense. It is without any official status. The Government, including the Department of Foreign Affairs does not use this term. Our officials in the Embassy of Ireland, London, continue to monitor the media in Birtain for any abuse of the official terms as set out in the Constitution of Ireland and in legislation. These include the name of the State, the president, Taoiseach and others.
Tatsächlich wird in den irischen Medien dieser Name kaum gebraucht und auch so gewertet. Die Frage wäre jetzt, wie man in Irland das Problem löst, wenn man alle Inseln zusammen benennen will. Gefunden hat der StAGN nur einen Vorschlag des neuseeländischen Historikers J.G.A. Pocock, der den Begriff Atlantisches Archipel (Atlantic Archipelago) vorschlägt. Diese Benennung müsste allerdings einem Publikum erst erklärt werden und hat sich nicht durchgesetzt. Wir empfehlen ihn daher nicht.