Staatennamen
Wissen Sie, wo Eswatini liegt und wie seine Einwohnerinnen und Einwohner heißen?
Namen von Staaten gehören zu ihren symbolischen Merkmalen, wie das Staatswappen, die Flagge oder die Hymne. Seit sich das Prinzip des Nationalstaates von Europa aus weltweit durchgesetzt hat, ist der offizielle, möglichst weithin anerkannte Staatenname ein wichtiges Merkmal nationaler Souveränität. Nicht zuletzt ist eine offizielle Festlegung der Namen für die Ableitung vieler weiterer international gebräuchlicher Codes und Akronyme wichtig, die eine eindeutige Zuordnung von Merkmalen und Sachverhalten ermöglichen. Hierzu zählen zum Beispiel die im Internet notwendigen Top Level Domains oder die internationalen KFZ-Kennzeichen. Die UNO hat gegenwärtig (Stand 2021) 193 Mitgliedsstaaten. Daneben gibt es aber Länder, die nicht Mitglieder sind, nicht von allen UNO-Mitgliedsstaaten als Nationen anerkannt werden, Beobachterstatus haben und viele Territorien, die sich einseitig unabhängig erklärt haben und de facto, aber nicht de jure, unabhängig sind. Die Frage nach dem offiziellen Namen und seiner völkerrechtlichen Verbindlichkeit ist nicht so einfach, wie sie meistens erscheint und oft Ausdruck langanhaltender politischer Konflikte. So erhielt die Republik Nordmazedonien ihren heutigen Namen erst 2019. Wegen unterschiedlicher, historischer Meinungsverschiedenheiten mit Griechenland hatte das Land seit Auflösung der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien den Namen Die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien erhalten, was auf beiden Seiten für erheblichen Unmut sorgte. Viele verschiedene Namen wurden während der Verhandlungen zum Vertrag von Prespa 2018 diskutiert, wie Republik Skopje oder Südslawien, bevor man sich für die Kurzform Nordmazedonien entschied. Es kommt ebenfalls vor, dass Länder ihren Namen ändern. So wurde das südostafrikanische Königreich Swasiland 2018 zum Königreich Eswatini. Dieser Namenswechsel wurde anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Unabhängigkeit von Großbritannien 2018 vom regierenden König Mswati III. dekretiert. Hiermit wollte man den älteren, noch aus der Kolonialzeit stammenden Namen, ablösen. Außerdem war ein Argument, dass im englischen Sprachgebrauch Swaziland häufig mit Switzerland verwechselt wurde. Die offiziellen Namen in ihrer Langform (Bundesrepublik Deutschland), die zumeist eine Aussage über ihre Staatsform zulassen und in ihrer Kurzform (Deutschland) werden zunächst in der Landessprache festgelegt. So heißt der Staat Eswatini in seiner amtlichen Langform Umbuso weSwatini. Der Name bedeutet in der Landessprache siSwati Ort der Swasi.
Die oben genannten Namen Nordmazedonien oder Eswatini sind bereits eingedeutschte Formen. Und wie heißen ihre Einwohnerinnen und Einwohner und wie bildet man das entsprechende Adjektiv? In Deutschland, Österreich und der Schweiz führen die jeweiligen Außenministerien eine offizielle Liste mit den Staatennamen, die für die Behörden des Landes im offiziellen Verkehr verbindlich sind. In den Ministerien sind es zumeist die Sprachendienste, die diese Fragen fachlich bearbeiten. Nach entsprechenden Beratungen im StAGN wird für die meisten Fälle eine für alle Länder gleiche Namensansetzung gefunden. Diese Listen werden auf den Homepages der Ministerien und des StAGN geführt und in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Hier kann man sich über alle Mitgliedsstaaten der UNO i und auch abhängige Gebiete nformieren. Aufgrund unterschiedlicher sprachlicher Traditionen gibt es aber manchmal Unterschiede.
Wie sieht es nun im Fall von Eswatini aus? Eswatini wird einheitlich als deutscher Staatenname empfohlen. Aber sagt man auch Eswatiner und Eswatinerinnen? Tatsächlich gibt es in diesem Fall noch keine deutsche Benennung für die Bürgerinnen und Bürger Eswatinis; wohl deshalb, weil der Name noch zu neu ist. Auch eine adjektivische Ableitung fehlt in der deutschen und österreichischen Liste, während man in der Schweiz swatinisch vorschlägt. Dies ist ein Beispiel für die Fragen, die von den Vertreterinnen und Vertretern der Länder im StAGN diskutiert werden, um eine möglichst für den gesamten deutschen Sprachraum einheitliche Lösung vorzuschlagen.
Warum wird aber nicht immer einfach der Name in der offiziellen Landessprache übernommen? Zum einen gibt es Staatennamen, die historisch bedingt schon lange als Exonyme in der deutschen Sprache gebräuchlich sind, wie Frankreich oder Dänemark. Zum anderen wird der Gebrauch vieler Staatennamen dadurch erschwert, dass die Landessprache nicht lateinschriftig ist und sich so nur schwer für die Kommunikation im deutschen Kontext nutzen lässt.