Exonyme
Wir sagen Prag und Warschau, wie ist es aber mit Reval und Pressburg?
Deutsche Ortsnamen fremder Länder und wie wir mit ihnen umgehen sollten

Grundabsicht jeder Kommunikation ist, die gegenseitige unmissverständliche Verständigung.
"Fremde" Namen in "heimischen" Gewand
Jede Sprache und jede Schrift hat einen begrenzten Laut- bzw. Zeichenumfang, um das gesprochene und geschriebene Wort wiederzugeben. Deswegen passen sich Sprachen wichtige, häufig gebrauchte Namen diesem Umfang an, um Ungewohntes, Verwirrung zu vermeiden. Das geschieht seit alters her.
Umgekehrt wünscht ein Namensträger auch mit seinem Namen angesprochen bzw. angeschrieben zu werden. Eine Frau Mayr möchte nicht zur Frau Mair oder gar Meyer werden. Dasselbe gilt für geographische Namen, die vielfach sogar amtlichen Charakter besitzen. Die Bewohner Düsseldorfs wollen nicht zu Bewohnern Dusseldorfs werden.
Eindeutigkeit als Wunschziel

Dem berechtigten Wunsch des Repräsentanten eines Namensträgers die ortsübliche Namensform (= Endonym) zu verwenden, steht das Anliegen nach berechtigter Sprachanpassung für den Sprecher einer fremden Sprache gegenüber. Dies führte und führt noch immer dazu, dass sich Parallelformen zu Endonymen entwickeln (z. B. Wien > Vienna, Vienne, Dunaj, Viyana, Bécs, Вена, …). Solche Formen von Namen in Sprachen, die nicht vor Ort gesprochen werden, heißen Exonyme. Welcher Name nun zu verwenden ist, das Endonym oder das Exonym, hängt im Wesentlichen von einem einzigen Faktor ab, nämlich dem Gelingen einer unmissverständlichen Kommunikation.
Verschiedene Namen für verschiedene Situationen

In der Alltagskommunikation wird das deutsche Exonym Elfenbeinküste verwendet, um diesen westafrikanischen Staat anzusprechen. Im amtlichen Schriftverkehr hat das Endonym Côte d’Ivoire, wie der Staat offiziell heißt, Vorrang und bei einer Verständigungssprache Englisch die Form Ivory Coast.
In der deutschsprachigen Presse wird über Venedig und Breslau geschrieben, während man sich vor Ort anhand des italienischen Venezia und des polnischen Wrocław auf den Hinweisschildern orientieren oder nach dem Weg fragen muss.
Angewendet auf die Namen im Titel dieses Beitrags kann man davon ausgehen, dass die deutschen Exonyme Prag und Warschau wohl gebräuchlicher sind als deren Endonyme Praha und Warszawa. Umgekehrt treten die Exonyme Reval und Pressburg im Alltagsgebrauch gegenüber den Endonymen Tallinn und Bratislava stark zurück.
Die Argumente für und wider die Verwendung deutscher Namensformen für geographische Objekte außerhalb des deutschen Sprachraums sind vielfältig und komplex. Die Stellungnahme des StAGN zum Gebrauch von deutschsprachigen Exonymen (nicht barrierefrei) [PDF, 25 KB] gibt hier eine hilfreiche Auskunft. Eine ausführliche Behandlung des Themas findet sich auch in der Einführung zur Exonymendatenbank. Dort sind auch die gebräuchlichsten deutschen Exonyme und deren endonymische Entsprechungen aufgelistet.
Resümee
Bei der Entscheidung für oder gegen den Gebrauch einer bestimmten Namensform (Endonym oder Exonym) sollte immer das Ziel einer reibungslosen Verständigung und gelingenden Kommunikation im Vordergrund stehen. Im Zweifelsfall ist dem Endonym der Vorzug zu geben.